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„The age of Tunika“ oder Die Wahrheit über die Wechseljahre

Das Internet ist böse. Wenn man bei google das Wort „Wechseljahre“ eingibt, kommt gleich ganz oben bei „Siri-Wissen“ das Wort KLIMAKTERIUM. Das hat garantiert ein Mann erfunden (obwohl Siri eine Frau ist, aber sie hat wohl nicht so viel Einfluss auf das, was sie wissen darf und was nicht…): KLI-MAK-TE-RI-UM. Klingt das scheiße, oder was? Klingt nach Hitzewellen und Macken und nach „jetzt ist das Leben UM, also rum“.

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In den folgenden Suchergebnissen wird das schöne Wort WECHSELJAHRE dann in der Regel mit BESCHWERDEN kombiniert, also WECHSELJAHRSBESCHWERDEN. Die deutsche Sprache ist nicht nur sehr kompliziert, sie ist auch immer so positiv… Ich erwähnte an dieser Stelle bereits, dass man im angelsächsischen Sprachraum den schönen Ausdruck „the change of life“ verwendet. (Okay, es gibt auch sowas medizinisches wie „climacteric period“, aber das ignorieren wir hier mal ganz sportlich). Ich bevorzuge „the change“ (auch wenn das ein bisschen an Shows wie „The Taste“ erinnert), denn nichts anderes passiert, wenn man in den 50ern ist. Mein persönlicher „change“ ist gerade in vollem Gange; das zweite und letzte Kind ist erwachsen und verlässt das heimische Nest, das die alleingelassenen Eltern daraufhin prompt verkauft haben, um ein funky Best-Ager-Loft-Nest in der nächsten Großstadt zu beziehen und dort das kinderfreie Leben zu genießen. Das klingt für manche Mother-in-action wahrscheinlich kalt und grausam, aber hey: Die Alternative wäre, schluchzend die verwaisten Kinderzimmer im viel zu großen Haus zu putzen und darauf zu warten, dass endlich wieder Leben in die Bude kommt, wenn die Brut mal in den Semesterferien vorbei schaut. Nix da! Ich habe die Jahre der Welpenaufzucht in der Kleinstadt durchaus genossen, aber jetzt lassen wir es mal krachen! Man gönnt sich ja sonst nix, oder, wie mein Mann sagen würde: „Im Sarg gibt es keine Regale“.

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Soweit, so gut, das Leben ist schön – wären da nicht die oben erwähnten fiesen, gemeinen WJB (Ihr merkt, ich vermeide das böse Wort!). Ich hatte hier bereits über die meinen berichtet. Zum Glück war es „nur“ Schlaflosigkeit, ohne nächtliche Schweißausbrüche – das lehne ich ab 😉 Meine Gyn hatte dagegen auch tatsächlich ein Mittel: Seit ich mir Hormongel auf den Körper schmiere, schlafe ich wieder recht gut. Aber was das Hormongel leider nicht in den Griff bekommt, sind so kleine Gemeinheiten wie zum Beispiel die Tatsache, dass mittlerweile jede Kalorie doppelt zählt. Ich war nie eine Elfe – und es wird nicht besser. Leider esse ich auch noch gern… Wenn ich Sommerklamotten anprobiere, greife ich mittlerweile automatisch zu Tunikas – die kaschieren so schön, und durch die 3/4-Ärmel sieht man auch die Winkeärmchen nicht. Ist das traurig, oder was?

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Ja, ich weiß, Sport hilft. Aaaaber: mittelalte Frauen kriegen natürlich auch Krankheiten, die man gerne mal als mittelalte Frau kriegt. Schulter zum Beispiel, oder Hüfte. Bei mir kommt noch Fuß dazu – damit scheidet eigentlich alles an Sportarten aus, was einigermaßen zuverlässig Kalorien verbrennt.

 

Ich mache jetzt Yoga. Das tut zwar manchmal auch weh, aber dem Rücken gut; außerdem beruhigt es ungemein. Und die Gelassenheit des „Alters“, die ich tatsächlich als echten Gewinn betrachte, kombiniert mit meinem nicht tot zu kriegenden Galgenhumor bewahrt mich vor unüberlegten Handlungen (als da wäre, wieder mit dem Rauchen anzufangen oder eine ganze Tafel Schokolade auf ex zu vernichten).

Also Mädels, let’s face it: Wechseljahre sind wie Pubertät rückwärts. Nur hat man leider nicht mehr den Knackarsch, den man damals hatte. Dafür hat man eine einigermaßen entspannte Weltsicht und komplett andere Prioritäten als mit 15. Das hat die Natur schon ganz gut eingerichtet!

 

 

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