Leipzig

„New in town“ oder Umzug mit Profis

Es war ein bisschen still auf Queenmum in der letzten Zeit… Das hatte zwei Gründe: Zunächst die wunderbare Erfindung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die jeden Blogger dazu zwang, seine Seite mannigfaltig zu überarbeiten (und alles nur, weil irgendein Sesselpupser in Brüssel nichts Besseres zu tun hatte, um sein Gehalt zu rechtfertigen). Ich habe das – mit einiger Verspätung – dazu benutzt, um die Seite endlich mal von der wordpress.com-Adresse auf eine normale Domain umziehen zu lassen. Dabei hat mir ein netter Mensch geholfen, der von der ganzen technischen Seite viel mehr Ahnung hat als ich und der zum Glück auch viel Geduld mit meiner digitalen Dämlichkeit hatte!

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Bundesverwaltungsgericht – eins der schönsten Gebäude in Leipzig!

Apropos Umzug: Damit sind wir gleich beim zweiten Grund für meine längere Abwesenheit. Mittlerweile sind wir seit annähernd einem Monat echte (zugezogene) Leipziger! Das Haus in Weimar ist an die neuen Besitzer übergeben, die Wehmut hielt sich in Grenzen, der Umzug war erfreulich stressfrei, weil wir auch hier Profis ans Werk gelassen haben, und die Freude an der neuen Wohnung nahe der Leipziger Innenstadt ist groß. Bisschen gemein war, dass die „heiße Phase“ des Kistenauspackens und Schränkezusammenbauens wörtlich zu nehmen war, weil sie genau in die schlimmste Hitzephase fiel, die Deutschland seit Jahren erlebt hat. Ich habe bei 38 Grad etliche Liter Schweiß verloren, während ich meine 80 Umzugskartons leergeräumt habe!

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Wie schon erwähnt, sind wir aus einem alten Haus in ein modernes Loft gezogen, wobei „modern“ eigentlich nur bedingt stimmt, weil das Haus, in dem unsere Wohnung sich befindet, eine über 100 Jahre alte ehemalige Buchbinderei ist. Was ich daran absolut liebe, sind die riesigen Räume, die hohen Decken, das Industrieparkett und die tollen großen Fenster. Wir haben sogar einen Aufzug, der von der Tiefgarage aus direkt in die Wohnung fährt – was aber im ersten Stock nicht ganz so wichtig ist 😉

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Sehr toll ist auch, dass wir zu Fuß oder mit dem Rad in ein paar Minuten in der Leipziger Innenstadt sind, und auch in direkter Nachbarschaft gibt es einige Infrastruktur in Form von Supermärkten und Restaurants. Alles Dinge, die ich in Weimar nicht hatte und jetzt sehr genieße. Und: Wir sind mit der S-Bahn in 20 Minuten am Leipziger Flughafen – eine großartige Ausgangslage für zukünftige Reisen!

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Am Cospudener See

Viele haben mich gefragt, ob ich unser altes Haus in Weimar, und vor allem den Pool und den Garten, nicht vermissen würde. Antwort: Bis jetzt nicht. Wenn ich schwimmen will, kann ich das an einem der vielen Seen in und um Leipzig tun. Den Cossi und die Schladitzer Bucht habe ich schon ausprobiert – sehr nice! Mein Garten beschränkt sich auf ein paar Feigen- und Olivenbäume im Kübel auf unserem Balkon. Und nein, ich vermisse die Gartenarbeit nicht! Im Gegenteil, es ist schön, mal am Wochenende einfach frei zu haben, ohne den Gedanken an das wuchernde Unkraut im Nacken… So hat eben alles seine Zeit, auch das Rasenmähen 😉

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Der „Cossi“ am Spätnachmittag
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Balkonien

Natürlich haben wir schon angefangen, Leipzig zu entdecken. Zunächst unsere direkte Nachbarschaft, auf Neudeutsch die „Hood“. Das graphische Viertel war, wie der Name schon sagt, bis zum zweiten Weltkrieg das Zentrum des deutschen Buchgewerbes. Im Jahr 1900 gab es hier stolze 2.200 Firmen, die in irgendeiner Form mit dem Medium Buch zu tun hatten, darunter große Namen wie Reclam und Brockhaus. 1943 wurden ca. 70 Prozent davon bei zwei schweren Bombenangriffen zerstört, geschätzte 50 Millionen Bücher verbrannten. Zu DDR-Zeiten wurde zwar das eine oder andere Gebäude wiederaufgebaut, doch erst nach der Wende begann eine echte Revitalisierung. Heute befinden sich hier wieder einige Verlage und viele andere Unternehmen in den schönen alten Industriegebäuden wie dem Reclam-Karree. Und in Sachen Wohnen kommt der Leipziger Osten, und mit ihm das graphische Viertel, jetzt gerade so richtig in Schwung – nicht zuletzt deshalb, weil hier neben den tollen Loft-Gebäuden auch noch etliche Baulücken sind, die jetzt nach und nach mit schicken Nebauten gefüllt werden.

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Deutsches Buchgewerbehaus – vor einigen Jahren aus einer Ruine wiederauferstanden

Es passiert gerade viel um uns herum, und das finde ich spannend. Weimar war schön, aber Weimar war, nicht zuletzt dank der Stiftung Weimarer Klassik, der totale Stillstand, das Verharren im Gestern. Und Stillstand empfinde ich als Rückschritt.

Leipzig ist zurzeit die deutsche Stadt mit dem größten Wachstum. Hier ist alles in  Bewegung, und soweit wie ich es sehe, gelingt es der Stadt, den Spagat zwischen  Geschichte und Gegenwart zu halten, ohne dass eins der beiden zu kurz kommt. Das finde ich spannend, und ich freue mich, dass ich vielleicht für ein paar Jahre – wer weiß, wie lange? – ein Teil davon sein darf. Vorerst nehme ich Euch noch per Fotos mit auf ein paar meiner ersten Entdeckertouren:

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Westwerk in Plagwitz
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Industriearchitektur
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Innen drin fancy Geschäfte
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Auch das ist Plagwitz…
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Globus-Werke – früher wurden hier Autopflegeprodukte hergestellt, heute befinden sich schicke Loftwohnungen hinter der Backsteinfassade!
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Über den Dächern von Gohlis – ganz hinten sieht man sogar das Völkerschlachtdenkmal

 

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