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Gänsehautmomente oder Ein paar Gedanken über das, was bleibt

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In diesem Jahr war ich alle zwei Monate verreist. Also richtig verreist, mit dem Flugzeug und so. Dazwischen noch etliche Kurz- und Wochenendtrips – aus meiner Sicht die perfekte Taktung. Komischerweise werde ich oft gefragt, ob mir das viele Herumgereise nicht zu viel wird. Kennt Ihr den Spruch „Collect memories, not things“? Also zu deutsch „Sammle Erinnerungen, nicht Dinge“… Ich finde ihn sehr wahr. Ich will jetzt nicht davon anfangen, dass das letzte Hemd ja eh keine Taschen hat (oder, wie mein Mann gern sagt, „Im Sarg gibt es keine Regale“) und jede Art von Konsum und Anschaffungen verteufeln. Auch ich wohne gern schön und schaffe dafür gemeinsam mit Mr. Queen Mum auch mal etwas Teureres an, wie zum Beispiel eine neue Couch. Und in Lumpen gehe ich auch nicht, obwohl ich definitiv nicht zu den High-Price-Shoppern gehöre. Dasselbe gilt für Make-up und Pflege: Auch hier bin ich eher in der unteren Mittelklasse unterwegs (zumal ich nicht daran glaube, dass mich Hautcremes mit zerschredderten Zuchtperlen wirklich um 20 Jahre verjüngen), ebenso wie bei meinem Auto (das eh geleast ist…). Einige meiner Freundinnen lassen sich von ihren Männern zu jedem Geburts- und Jahrestag mit Gold und Geschmeide behängen. Es sei ihnen gegönnt, ich trage aber lieber schlichten Silber- oder sogar Modeschmuck.

 

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Man könnte jetzt annehmen, ich sei ein Puritaner, aber weit gefehlt: Mein Luxus ist das Unterwegs-sein. Ich reise gern und schaue mir neue Länder und Städte an. Das muss nicht unbedingt immer gleich eine Fernreise sein; auch in Europa gibt es noch sehr viel zu entdecken. Und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mich durch eine neue Stadt treiben zu lassen, hier und da einen Kaffee zu trinken, im Park zu picknicken und so viel Zeit zu haben, das ich nichts „müssen muss“.

 

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Dabei sammle ich „big moments“, Gänsehautmomente, die mir hoffentlich für immer bleiben: Frühmorgens im Nebel auf dem Canale Grande in Venedig, beim Blick auf das in der Sonne glitzernde Wasser von Marmarameer und Bosporus im Garten des Topkapi-Palastes in Istanbul, am Lagerfeuer bei Vollmond in der Wüste in Dubai… Schon bei der Erinnerung stellen sich die Härchen auf meinem Arm auf, so schön waren diese und noch viele weitere Erlebnisse. In dem Moment, wo man mitten drin ist, weiß man, dass man diesen Anblick oder diese Situation nie mehr vergessen wird, weil es so einmalig und unvergleichlich war. Man kann es nicht wirklich auf Fotos festhalten, sondern nur in seinem Gedächtnis, und man kann es Anderen auch nicht nachvollziehbar beschreiben, wenn diese nicht dabei gewesen sind. Doch man kann sich diese Momente immer wieder in Erinnerung rufen, und das ist etwas unendlich Kostbares.

 

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Natürlich kann man auch Gänsehautmomente haben, ohne in der Weltgeschichte herum zu gondeln, das will ich gar nicht bestreiten. Aber wenn man viel unterwegs ist, erlebt und sieht man soviel Schönes, dass sich die Wahrscheinlichkeit extrem erhöht. Das klappt zuhause auf der (neuen) Couch nicht so einfach. Obwohl nach Hause kommen auch immer schön ist. Eigentlich ist es ja die Mischung, die es macht: Vorfreude auf eine Reise, die Erlebnisse unterwegs, dann die Vorfreude auf Zuhause. Und wenn man eine Weile wieder im schönen Zuhause war, hat man wieder Fernweh. So muss das sein, finde ich. Und wenn ich dann mal ganz alt und tattrig bin und nicht mehr mehr in der Lage, mit dem Kreuzfahrtschiff zu verreisen, dann hole ich zuhause auf der Couch die Erinnerungen an meine Gänsehautmomente heraus, weil ich die garantiert nie mehr vergesse. Schön, oder?

 

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7 Kommentare

  • foodblogsugarandspice

    Liebe Marion,

    sehr gut beschrieben, genau so empfinde ich es auch! Ich muss auch keine teure Kleidung, teuren Schmuck, ein großes Auto oder ähnliches haben, sondern stecke mein Geld auch lieber in Reisen. Ein schönes Zuhause ist mir aber auch wichtig (damit meine ich allerdings ein gemütlich und liebevoll eingerichtetes, nicht eins mit möglichst teuren Designer-Möbeln), da ich das „Nach-Hause-Kommen“ nach den Reisen auch sehr schätze. Die Mischung macht’s – ich könnte wohl nicht gut für mehrere Monate am Stück unterwegs sein, da mir mein Zuhause fehlt, aber wenn ich wie jetzt drei Monate am Stück nicht verreist war, dann kribbelt auch wieder das Gefühl in mir, endlich wieder losziehen zu wollen. Zum Glück ist es bei uns am Samstag soweit und ich freu mich schon darauf, wieder viele unvergessliche Momente zu sammeln 🙂

    Liebe Grüße,
    Kirsten

      • foodblogsugarandspice

        Liebe Marion,

        hoppla, jetzt erst gesehen! Das Reiseziel (Kroatien) hast du ja aber inzwischen glaube ich auch schon auf Facebook erspäht 😉 Amsterdam ist toll, hat mir sehr gut gefallen! In De Pijp rund um die Albert Cuypstraat und den Gerard Douplein gibt es ganz viele tolle Restaurants, Cafés und Bars und viele schöne Läden, und das Publikum besteht im Gegensatz zur Innenstadt nicht nur aus Junggesellenabschieden 😉

        Liebe Grüße,
        Kirsten

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