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Der nächtliche Mount Everest oder: Wie stellt man Gedanken ab?

Momentan fängt für mich das Morgengrauen nicht erst mit dem Blick in den Spiegel an, sondern in dem Moment, wenn der Wecker piepst – ach, was sage ich, wenn der Wecker INFERNALISCHEN LÄRM macht! Von da an bin ich einfach kein Mensch mehr, sondern irgendwas, das irgendwo unter einem Stein hervor gekrochen kommt…

Vor einiger Zeit hatte ich hier schon mal darüber geschrieben, dass mein Nachtschlaf quasi im Zwei-Stunden-Takt stattfindet. Kurz nach diesem Blogpost wurde es erst mal ein wenig besser, ich schlief zeitweise wenigstens mal 3 oder 4 Stunden durch. Juhu, dachte ich, Wechseljahre geschafft! Ihr ahnt es schon: Der Dämpfer kam schnell: Momentan wache ich fast jede Nacht im Stunden-Rhythmus auf und, Ihr ahnt auch das: Es. Ist. Nicht. Witzig!

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Bevor jetzt jemand fragt: Ja, es liegt vermutlich an den Unaussprechlichen (aka Wechseljahren). Eine repräsentative Umfrage unter meinen etwa gleichaltrigen Freundinnen ergab ganz eindeutig, dass es ganz vielen von uns so geht. Einschlafen geht noch prima, aber bevor der rettende Tiefschlaf kommt, jagen uns die bösen Hormone wieder in den Wachzustand zurück – und das eben gerne 5 bis 6 mal pro Nacht.

Wenn es gut läuft, wälze ich mich nur eine Weile rum und schlafe dann irgendwann wieder ein. Wenn nicht, fallen mir Sachen ein… Sachen, das sind eigentlich mehr oder weniger alltägliche Probleme, für die es bei Tageslicht ganz sicher eine Lösung gibt. Oder Dinge, die man tagsüber nur als Randnotiz wahrnimmt, aus denen im Dunkel der Nacht aber PROBLEME werden!

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Man hat ja immer so Themen, die einen zeitweise ganz besonders beschäftigen (und beschäftigt halten). Wenn man nachts anfängt, darüber nachzudenken, ist das wie ein Psycho-Ohrwurm. Es ist alles ganz, ganz schrecklich, komplett unlösbar und wird richtig schlimm enden. RICHTIG schlimm!!!

Bullshit. Nichts wird auch nur annähernd so heiss gegessen, wie es nachts in einem hochkocht, und schon im ersten Licht des Morgens ist fast alles wieder gut.

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Doch was kann man tun, wenn die Gedanken kreisen und der Schlaf nicht kommen will? Um nicht in den tödlichen Kreislauf des Panik-Ohrwurms zu geraten, zwinge ich mich, etwas anderes zu denken. Das geht aber nur, wenn ich es schaffe, mir etwas Positives nach dem Was-wäre-wenn-Prinzip auszudenken. Es darf nur nichts mit meiner tatsächlichen Lebenssituation zu tun haben. Ich überlege mir zum Beispiel, in welche Stadt (weltweit natürlich!) ich ziehen würde, wenn ich mir aussuchen dürfte, wo ich für eine begrenzte Zeit wohnen will. Oder ich überlege mir, was ich tun würde, wenn ich ein paar Milliönchen in der Lotterie gewinnen würde (natürlich spiele ich nicht, aber es geht ja um Fantasien!). Meistens klappt das recht gut, so dass ich dann nach einiger Zeit wieder im Reich der Träume bin. Falls es einer von den anderen Tagen ist, stehe ich auf, mache mir eine warme Milch mit Honig (warme Milch soll angeblich einen Stoff enthalten, von dem man besser einschlafen kann), krabble wieder ins Bett und lese ein paar Seiten, bis die Müdigkeit zurück kommt.

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Und wenn wirklich mal alles nicht hilft, stehe ich auch schon mal früher auf als geplant. Ich sehe jetzt mal das Gute an der Sache: Wenn man früher aufsteht, hat man einfach mehr vom Tag. Und ich freue mich jetzt mal ganz leise, dass ich wenigstens nicht schweißgebadet aufwache. Ganz, ganz leise! Nicht, dass ich demnächst noch einen Artikel über Nachtschweiß schreiben muss…IMG_7115.jpg

 

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